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Hallo Michael! Die VÖ von "Headscan" hat sich ja leider ein wenig hingezogen. Wie fühlt man sich, jetzt wo doch noch alles geklappt hat und das erste Album veröffentlicht ist?
Michael: Die letzten Wochen vor der Veröffentlichung waren sehr Kräfte zehrend für mich und ich bin froh, dass dieser Abschnitt meines Lebens erfolgreich abgeschlossen worden ist und glücklich darüber, dass letztendlich doch alles so verlief, wie ich es mir erhofft habe. Die Tatsache, dass die Musik, welche ursprünglich für mein eigenes Wohnzimmer konzipiert worden ist, nun meine vier Wände verlässt um einem größeren Publikum zugänglich gemacht zu werden, verleiht mir ein gutes Gefühl und ein wenig Stolz. Seit letztem Jahr hast du in NoiTekk eine Bandheimat gefunden. War es schwierig als Newcomer ein kompetentes Label zu finden? Michael: Dass es schwer war, kann ich nicht unbedingt sagen. Ich habe diesen Vertrag bekommen, ohne dafür ein Demo-Tape zu versenden. Ich lernte Marco von NoiTekk bei einem Konzert von Grendel, welche sich ebenfalls auf diesem Label befinden, kennen. Ich hatte eine Hioctan-CD dabei, welche ich ihm gab. Drei Wochen später bekam ich positive Antwort von ihm. Wie man hört, warst du 4 Monate lang in Indien. Werden die gemachten Erfahrungen in der dritten Welt Einfluss auf dein musikalisches Schaffen haben? Ändert der andere Blickwinkel des Hinduismus die eigenen Weltanschauungen? Michael: Meine Weltanschauung hat sich durch meinen kurzen Besuch in Indien nicht verändert. Ich habe zwar viel Armut und Elend gesehen und es fällt schwer, nichts dagegen machen zu können, habe aber trotzdem erfahren, wie glücklich ein Mensch mit dem wenigen ihm gegebenen, sein kann. Es gibt kein Streben nach Gütern, welche nicht über die Versorgung der menschlichen Grundbedürfnisse hinausgehen, wie es in unseren Regionen zu beobachten ist. Auf diesem Sektor ist Deutschland das Entwicklungsland. Wenn jeder ein wenig mehr mit dem zufrieden wäre, was ihm gegeben ist, würde das sicherlich zu einem friedlicheren Zusammenleben beitragen. Wenn man den Text zu "Bad Religion" betrachtet, hältst du verständlicherweise nicht viel von der Umsetzung der Religionen in der jetzigen Form? In Anbetracht des Textes, sollte es nicht "Bad Church" heißen? Michael: Nein, ich habe weder etwas gegen die Kirche noch die Religion, die in ihr beheimatet ist. Im Gegenteil, ich finde es gut, wenn Menschen etwas haben, an das sie glauben können und was ihnen Kraft gibt, um den Alltag zu bestehen. Aber diese Kraft ist nicht ausschließlich nur im Glauben zu finden. Ich finde sie in der Musik. Vielmehr richtet sich der Song gegen die Art von Leuten, die aus der Überzeugung ihres Glaubens heraus nicht davor zurückschrecken, Gewalttaten gegenüber denen auszuüben, welche nicht dem eigenen Glaubensbild entsprechen. Diese Art des Glaubens, welche die Anhänger dazu veranlasst so zu handeln, verachte ich zutiefst. Beim Betrachten der Historie fällt auf, dass "Hioctan" aus mehreren Leuten bestand, aber aufgrund von musikalischen Differenzen nun doch dein Einmann-Projekt ist. Bist du lieber Herr deiner selbst, was Musik angeht oder bist du jederzeit offen für andere Künstler sich an deiner Musik zu beteiligen? Michael: Bei der Art von Musik, wie ich sie mache, ist ein Mann völlig ausreichend. Man hat eine bessere Kontrolle darüber, seine Ziele zu verwirklichen. Diese Einstellung, kann aber auch darauf zurückzuführen sein, dass ich bisher nur mit Leuten zusammen gearbeitet habe, welche nicht bereit waren, soviel Energie und Engagement in das gemeinsame Projekt mit einfließen zu lassen, wie ich. Auch in der Zukunft wird Hioctan ein Ein-Mann-Projekt bleiben. Lediglich bei Live-Auftritten hole ich mir Unterstützung. Neben der gesellschaftlichen Stimmung unserer Zeit suchst du Inspiration bei Bands wie Suicide Commando und Leather Strip, welche maßgeblich an der Entwicklung von EBM beteiligt waren. Was schätzt du an deren Arbeit so sehr? Michael: Die Umsetzung von Energie in Musik und die Musikerzeugung unabhängig von angesagten Stilen. Deine Musik lässt sich als Mischung zwischen klassischem, energiegeladenem EBM mit modernen Elementen beschreiben und trifft somit den Nerv der Zeit. Gibt es schon Songs von "Headscan", die sich in den Clubs etabliert haben? Wie ist das Feedback der Clubs und DJs ausgefallen? Michael: Zu beurteilen, ob es einen etablierten Song gibt, liegt nicht in meiner Macht. Ich kann aber sagen, dass die Titel der Platte in der ganzen Republik und darüber hinaus in etablierten Clubs gespielt werden. Du gehörst ja zu den wenigen Deutschen, die diesen an sich in Belgien / Holland ansässigen harten, aggressiven Musikstil nun auch in Deutschland heimisch machen. Ist es erstaunlich, dass trotz der großen Erfolge dieser, außer "Hioctan", im Moment nichts vergleichbares hier gibt? Michael: Aha. Schön wenn du das so siehst. Ich bin der Meinung, dass gerade in den letzten Tagen auch Deutschland wieder gute elektronische Musik hervorbringt. Das liegt wohl daran, dass viele Leute gemerkt haben, dass nicht eine hohe Massenbefriedigung, sondern die Qualität der Musik im Vordergrund stehen sollte. Orientierst du dich bei deinen Produktionen an dem, was die Szene hören will oder setzt du grundsätzlich Deine eigenen Ideen und Vorstellungen um? Michael: Am wichtigsten ist es mir, Musik zu erschaffen, mit der ich 100prozentig zufrieden sein kann. Dabei ist es mir egal welcher Musikstil gerade angesagt ist, den "Zeitgeist" trifft oder die größte Hörerschaft anspricht. In erster Linie mache ich Musik für mich, weil ich Spaß daran habe. Wenn sie zudem noch anderen gefällt, freut es mich umso mehr. Kann man in der Praxis eine 100 prozentige Zufriedenheit mit seiner Musik erreichen? Michael: Tatsächlich, ist es schwer möglich, eine 100prozentige Zufriedenheit zu erreichen, da , nachdem einige Zeit verstrichen ist und ich mir einen bereits abgeschlossenen Song anhöre, sich für mich immer noch Möglichkeiten auftun, die Songqualität in Bezug auf die Arrangements sowie den Klang der verwendeten Instrumente zu inkrementieren. Dieses Spiel ließe sich akribisch bis ins Unendliche treiben. Insofern, kann man lediglich eine, dennoch stark asymptotische, Annäherung an die sich selbst gestellte Anforderung erreichen. Futurepop, welcher ja auch irgendwie ein anderer Ast ist, EBM weiterzuentwickeln, scheinst du ja zu verabscheuen. Fehlt dir die negative Grundtendenz oder ist es der Weg Richtung Gesellschaftskonformität, der dich daran stört? Michael: Ich halte Futurepop, wenn er denn überhaupt ein Ast des EBM's ist, eher für eine Degeneration als eine Weiterentwicklung. Na gut, Weiterentwicklung in dem Sinne, dass man der breiten Hörerschaft das bietet, was sie anscheinend zu hören verlangt :), aber im musikalischen Sinne halte ich es für einen Rückschritt. Ich verstehe die Frage nach der fehlenden negativen Grundtendenz nicht. Ich mache keine Musik oder höre sie, weil ich dadurch eine negative Stimmung verbreiten oder bekommen will. Das ist es nicht, was mir am FuturePop nicht gefällt, sondern eher, die aus meiner Sicht zu einfach angelegten Arrangements. Wenn es trotzdem Leute gibt, denen so etwas gefällt, dann freut es mich. Mit "Someone Somewhere" von "The Klinik" coverst du ein Lied der alten EBM-Schule. Gehörte es zu deinen Lieblings-Songs? Ist es schön, die Möglichkeit zu haben, Stücke die einen geprägt haben, selbst zu interpretieren? Michael: Ja, er gehört mittlerweile zu einen meiner Lieblingssongs, aber wenn ich ehrlich sein soll, gehört "The Klinik" nicht zu den Bands, die mich geprägt haben, denn dafür bin ich wahrscheinlich zu jung, wenn man betrachtet, dass es diese Band schon seit über zehn Jahren nicht mehr gibt. Ich habe sie erst kürzlich für mich entdecken können und war ganz besonders vom Song "Someone Somewhere" angetan. Nach einem Gig mit Dive hast du dich wohl recht gut mit Dirk Ivens verstanden und so kam es zu oben genanntem Remix. Wächst man an solchen Aufgaben? Werdet ihr weitere gemeinsame musikalische Pläne verfolgen? Michael: Das war vorerst eine einmalige Sache. Ich bin gegenüber einer späteren Zusammenarbeit aber nicht abgeneigt. Du hast dein Album "Headscan" genannt, dein Artwork wirkt auch wie eine Computertomographie. Ist es der Einblick in deinen Kopf mit deiner Welt- und Wertevorstellung? Michael: Es handelt sich beim Artwork um die Versinnbildlichung des Begriffs Headscan, welches die Gedankenmanipulation und der Einsatz des unfreiwilligen, meist unwissenden, Menschen, als Willenswerkzeug einer anderen Macht ist. Deine Lyrics prangern von gesellschaftlichen Missständen, globalen Problemen bis hin zu moralischen Werten alles an und spiegeln das Gefühl eines Großteiles der Jugend wieder. Bist du der Betrachter, der den Leuten vorhält in was für einer Welt sie leben oder hast du diese gesellschaftlichen Zustände selbst erlebt? Michael: Nein, ich will niemandem etwas vorhalten. In meinen Texten bearbeite ich Eindrücke und Erlebnisse meist als dritte Person, welche das Geschehnis von außen betrachtet. Die Themen, die du aufgreifst sind durchaus typisch für deine musikalische Ausrichtung. Ist Aussage und Musik für dich nur als Einheit gut? Ist dein aggressiver musikalischer Stil unausweichlich, wenn man sich mit diesen Themen auseinander setzt? Michael: Ich verarbeite Themen in meinen Liedern, die mich bewegen, aber von Außenstehenden nicht überbewertet werden sollten und bin der Meinung, dass Musik auch ohne Welt verändernde Aussage interessant ist. Ich versuche mein Gefühl und meine Stimmung bezüglich eines Themas einzufangen und musikalisch auszudrücken. Es fällt mir leichter, dies durch Musik als durch Worte auszudrücken. Mir geht es darum, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den verwendeten Instrumenten zu finden und der Gesang darf hierbei als ein weiteres Instrument zur Untermalung der Stimmung angesehen werden. Somit wirken sich die von mir in den Liedern verarbeiteten Themen auch unweigerlich auf die Musik aus. Was hast du für Pläne mit Hioctan? Wie denkst du dir deinen weiteren musikalischen Werdegang? Stilistisch weiterhin als Zwischenglied von EBM und modernem Industrial-Elektro? Michael: Als ein Glied von irgendwas will ich mich überhaupt nicht sehen, noch einer Erwartungshaltung gerecht werden. Mein Plan ist es, wie schon immer, nach meinen Sinn gute Musik zu machen, um damit vielleicht sogar eine Zustimmung vom Hörer zu bekommen. Du hattest ja schon des Öfteren die Gelegenheit Live aufzutreten und mit Sicherheit die Menge zum Kochen gebracht. Was für Auftritte sind denn künftig geplant? Können wir dich auch mal im Süden von Deutschland erwarten? Michael: Die Planung für eine Tour Anfang des nächsten Jahres laufen bereits. Genaueres kann ich noch nicht sagen. Vielen Dank für das aufschlussreiche Interview und viel Erfolg mit deinem Debutalbum!
(Interview geführt von Benzol) |
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